Dienstag, 17. September 2013

Idaho Falls und schlechte Laune

Tom stellt fest, dass ich immer, wenn wir in grösseren Städten sind, ziemlich launisch werde. Da hat er wohl Recht. Der Lärm der Stadt, die vielen Autos, der Stress, alles geht mir auf den Sack. Ausserdem geht es mir heute nicht speziell gut. Ich habe Krämpfe und fühle mich k.o.. Trotzdem schaffen wir es, nach einer kurzen Auseinandersetzung, doch die wichtigen Sachen zu erledigen. In Arco, in the middle of nowhere, finden wir einen wunderbaren RV-Platz und beschliessen, gleich zwei Tage zu bleiben. So können wir wieder mal die ganze Wäsche erledigen, also exgüse, Tom meine ich natürlich, ich schreibe E-Mails und Blog, und irgendwie gehen die zwei Tage recht schnell vorbei. Endlich haben wir ein wunderbares Wi-fi, können mit unseren Familien und Freunden skypen. In Arco steht übrigens der erste Atomreaktor, der 1951 Strom für Arco lieferte.

Grand Teton – wir fahren weiter



Für uns Mitteleuropäer ist der Grand Teton nichts aussergewöhnlich Spektakuläres. Natürlich ist die Grand Teton Range herrlich. Leider spielt das Wetter nicht ganz so mit. Trotzdem sehen wir eine Menge Tiere, unter anderem eine riesige Wapitiherde und ganz in der Nähe unseres Platzes Gros Ventre auch wieder eine grössere Bisonherde. Unterwegs treffen wir auf Jim. Er ist länger im Grand Teton NP unterwegs und beobachtet vor allem die Wapitis. Als wir auf seine Frage, welche Tiere wir denn gerne sehen möchten, ist es natürlich, wie könnte es auch anders sein, ein Elchbulle. No problem, meint er. In der Nähe vom Gros Ventre habe er kürzlich drei Elche am Fluss äsen sehen. Naja, diese sehen wir dann nicht. Trotzdem ist Jim überfreut, auf Schweizer zu treffen.
Die Männer fachsimpeln über die Route. Er gibt uns gute Tipps für die Weiterfahrt und, sollten wir in Probleme geraten, gleich seine Visitenkarte, wenn wir tatsächlich in Washington unser Auto verschiffen würden. Thank you Jim, you are very great. We hope, you enjoy the trip. We’ll send you a postcard from Saas Fee ;-).

Freitag, 13. September 2013

Lieber Papi

... und hier noch die beiden Fotos, wie eben besprochen :-)! E schöne Tag. Mir göh itz gah pfuuuuuuuuuuuuuuuuuse! Es rägelet nämlech schön uf üses Dach! Juhuiiii!





Donnerstag, 12. September 2013

Yellowstone – 5 Tage blubbern, dampfen, zischen oder wenn du 5 Tage nach faulen Eiern riechst

Die Campingplatzsuche ist nun erfolgreich abgeschlossen, das Norris Basin mit all seinen „Blubberis“ und Gestänken hat uns wirklich sehr gefallen. In den nächsten Tagen wird uns dann klar, dass uns auch die Parkplatzsuche bei einigen

Überall stapfen diese imposanten Bisons durch die Gegend

Geysirfeldern viele Nerven kosten wird. Denn einerseits sind auch hier keinerlei Mitarbeiter (wohlverstanden, der Park hat rund 5000 Angestellte) zu sehen, die irgendwie verhindern, dass Klein-Smartfahrer die grossen Tourbus-Parkplätze besetzen oder gar ihre Fahrzeuge mit dem Warnblinker in der engen Ausfahrt einfach stehen lassen. Egal, wir geniessen die vielen, vielen, absolut hammermässigen Eindrücke der Geysirfelder und die wunderbare Natur des Yellowstone NP. Wir sind jeden Abend glücklich, dies erleben zu dürfen.

Fotos Yellowstone Nationalpark

Torsten und Doris, die beiden sympathischen Deutschen


Erwähnenswert ist weiter, dass wir unseren ersten Tischer-Aufsatz getroffen haben, samt ihrem netten Inhalt. Das sind nämlich Doris und Torsten, dann ihre Velos, nicht zu vergessen ist wohl (gemäss Torsten) die Schuhsammlung von Doris, obwohl diese es doch tatsächlich an diesem Morgen nicht geschafft hat, in festes Schuhwerk zu steigen. Stattdessen „schlärpelet“ sie in ihren bequemen Crocs über das Mud Vulcano Feld. Die beiden sind seit April in Amerika unterwegs und wollen runter nach Argentinien reisen. Ihr Motto „wir entschleunigen“ finden wir super, Torsten hat Anzug und Krawatte gegen bequemes Outfit getauscht und Doris findet, wie bereits erwähnt, Crocs und Bisonburger wunderbar :-). 

Wir haben die Stunden mit euch beiden sehr genossen und waren glücklich darüber zu wissen, dass ihr noch den letzten Platz auf dem Grand Village Campground erwischt habt. Geniesst die Reise ganz, ganz fest. Wir werden an euch denken. Häbet's guet!




Yellowstone – Campingplatzsuche, ein Härtetest für verwöhnte Canada-Reisende oder wenn das Wort FULL zum Horror wird



Wir entscheiden uns für die etwas längere Route durchs Gallatin Valley, denn unsere Reiseführer empfehlen dies so. Dementsprechend nehmen wir es gemütlich und geniessen die Route mit einigen Pausen. Schliesslich gelangen wir beim Westeingang in den Park. Was dann folgt, ist für uns sagenhaft. Die nette, ältere Dame, mit offensichtlich englischen Vorfahren, teilt uns sehr höflich mit, dass es mit den Campingplätzen gut steht. So seien etliche Campgrounds noch nicht belegt.





Das freut uns und wir fahren auf dem Circle, welcher übrigens wie eine 8 zu befahren ist, nordwärts. Unser Ziel ist der Norris Campground, welcher nämlich inmitten der 8 liegt. Plan, wir sind sehr zentral und können von dort sämtliche Felder besichtigen. Wir denken, dass dieser Tipp wohl weltweit bekannt ist, denn der Norris Campground ist FULL, fuller geht’s nimmer (stöhn, grunz, grummel). Wohlverstanden, wir haben sämtliche Sehenswürdigkeiten ausgelassen und sind bereits eine halbe Stunde nach Parkeintritt am Campingplatz angekommen. Der Ranger versteht unseren Ärger, muss uns dennoch wohl oder übel zum Indian Creek, ca. 25 km weiter nördlich, schicken. Denn: Overflow-Plätze kennen sie im Yellowstone NP nicht. Da wird kein Overnight Parken auf Day-Use-Areas oder sonstigen Lookouts toleriert. Also, dann sofort rein in den Indian Creek. An der Strasse ist nichts mit FULL-Zeichen, wir düsen an einigen unschlüssigen Campern vorbei, die zuerst die Karte studieren. Aber dann: FULLFULLFULL. Die Rangerin ist ehrlich und meint, dass wir viel zu spät seien, um noch einen Platz im Park zu finden. Sie verweist uns an einen anderen Ranger und düst mit ihrem Mobil zur Hauptstrasse, um die Tafel „FULL“ anzubringen. Der Ranger ist sehr geduldig, stellt fest, dass wir ärgerlich sind und gibt uns dann Tipps, wo wir ausserhalb des Parks übernachten können. Nach einigem Small-Talk, wir gehen davon aus, dass die Ranger in diesem Park ganz speziell auf ärgerliche Besucher geschult werden, informiert er uns dann auch gleich, dass der Indian Creek ab Sonntagabend for season geschlossen sein wird. Na toll, dann wird der Kampf auf die restlichen, offenen Plätze verteilt. So fahren wir schliesslich nach Gardiner und finden dort einen wirklich tollen Stellplatz in einem speziellen NF (National Forest) mit Pferdekoral.
Natürlich muss ich für meine Schwester die Pferde besichtigen.

Pferdekoral im Beaver Creek NF

Ein Cowboy aus Idaho erzählt uns dann, wie er eben von einer viertägigen Tour durch den Yellowstone Park zurückgekommen ist.


Der Platz sei sozusagen ein Insidertipp für Rösseler, da der Park mit den Anhängern gut erreicht werden kann. Ja, nicht nur für Rösseler, auch für uns, wir sind nämlich am kommenden Morgen bereits früh startklar und finden dann um 10 Uhr einen der letzten Plätze auf dem Norris Campground. Genug rumgehastet. Nun geniessen wir den Park in vollen Zügen. Nikan lassen wir für heute stehen. Das Norris Basin lässt sich gut zu Fuss besichtigen.

Bozeman – wo bereits Brad Pitt und Robert Redford den Boden mit ihren Füssen berührt haben

Die Stadt Bozeman liegt bereits im Gallatin Valley (dem Tal der Blumen) und wurde vor allem berührt, weil in der Nähe zwei Filme gedreht wurden. Einerseits „In der Mitte entspringt ein Fluss“ und natürlich „der Pferdeflüsterer“, einer meiner Lieblingsfilme.
Ansonsten bietet die Stadt wenig, sie ist höchstens, wie für uns, wichtiger Ausgangspunkt, um noch einmal richtig einzukaufen und Benzin aufzufüllen, bevor es in den Yellowstone Nationalpark geht.

Holter Lake – ein Akkordeon Abend mit Gewitter


Stinkender Holter Lake, aber wunderschön!
Den Glacier NP verlassen wir dann über Browing, einem Gebiet, welches die Blackfoot Indianer besiedelt haben. Entlang der Rockies, bzw. der Lewis und Clark Range zieht erneut ein heftiges Gewitter auf. Natürlich fahren wir direkt in das Unwetter rein. Unser Nikan wird beim Mittagessen vom Wind richtig „düreghudlet“. Kurz darauf ist es wieder unwahrscheinlich heiss und wir würden es bevorzugen, den Abend an einem See zu verbringen. In der Nähe von Helena, der Hauptstadt Montanas, finden wir dann auch im Black Sandy State Park einen Stellplatz direkt am See. Aber oh Graus, auch hier wird nix mit baden. Der See stinkt fürchterlich und wir ziehen eine kalte Dusche in unserem Häuschen vor. Die beiden Frauen unserer Nachbarn sind sehr musikalisch und sitzen am Pier, beide mit dem Akkordeon auf dem Schoss und spielen stundenlang ihre Stücke, sogar ein Tango ist dabei, schwelg. Der gemütliche Abend wird dann urplötzlich beendet, da erneut ein heftiges Gewitter aufzieht.

Fotos Montana

Glacier NP ohne Gletscher

Der Name verspricht Gletscher, tatsächlich gibt es aber im Glacier kaum mehr sichtbare Gletscher. Der Park ist international geregelt. Oberer Teil nämlich ist der Waterton NP und gehört zu Canada. Die beiden Staaten arbeiten jedoch in diesen Bereichen eng zusammen. Über die Wanderwege kann man ohne Passkontrollen zwischen den beiden Ländern hin- und herwandern.
Zuerst einmal wollen wir uns in West Glacier den Interagency Jahrespass besorgen. Auf dem Hinweg entlang des Columbia River haben wir bereits mit einem etwas schlechten Gewissen ohne die 5 Dollar zu begleichen eine Pinkelpause eingelegt. Der Pass muss klar her. Eine gute Anschaffung, sodass wir nicht an jedem Aussichtspunkt, bei jeder Wanderung und eben auch für eine klitzekleine Pinkelpause 5 Dollar begleichen müssen, was unserer Reisekasse nicht gut täte. Den Pass erhalten wir dann schliesslich im Headhunter Quartier der Ranger Station. Die quirlige Rangerin gibt uns sämtliches Material und sogar den Hangtag mit, damit wir das wunderbare Teil auch schön ordentlich an unserem Innenspiegel aufhängen können.
Vorher haben wir uns bereits über die Going-to-the-Sun-Road informiert. Am Vorabend sind wir nämlich mit Massband ums Auto herum gelaufen und aufs Auto hinauf gekraxelt, um zu überprüfen, ob wir die Road mit unserem Fahrzeug befahren können. Es sind lediglich Fahrzeuge mit einer Höhe von 3 Meter zugelassen, unser Nikan ist genau 3 m hoch. Die Mitarbeiterin im Visitor Center meint, dass es kein Problem sein sollte, da wir die Strecke von West nach Ost fahren, also mehrheitlich nicht entlang der überhängenden Felsen.

Fotos Glacier National Park

Naja, nebst uns wagen sich dann nicht wirklich viele Truckcamper auf die Tour. Ist dann später auch klar, weshalb. Die Strecke ist sehr anstrengend und kribbelig, aber wunderschön. Leider gibt es entlang der Route praktisch keine Aussichtspunkte, bzw. wenn es welche gibt, stehen bereits tausende von Autos darauf, kreuz und quer, versteht sich. Auf dem Logan Pass muss fürs Parkieren sogar Schlange gestanden werden. Die Tour ist trotzdem wunderschön und wir sind froh, dass wir sie gefahren sind, am nächsten Morgen zieht nämlich ein heftiges Gewitter auf.
 

Grand Coulee Dam – Grandioser Damm mit Lichtshow

In der Nähe des Grand Coulee Dams ist alles übervoll. Jeder Campground ist besetzt, sogar an sämtlichen Ausbuchtungen am Banks Lake stehen Sonnenschirme. Es ist unglaublich. Am Steamboat Rock wollen wir baden. Wir sehen ganz viele Menschen in Strandkleidung vom Strand kommen. So schmeissen wir uns erneut in unsere Badesachen und laufen ca. 10 Minuten vom Parkplatz an den Strand. Wir stehen kurz vor dem Einstieg ins Wasser, aber ohje, hier haben die Leute doch nicht gebadet? Die Temperatur des Wassers ist so hoch, dass es uns richtig ekelt. Ausserdem ist das Wasser richtig dreckig und voller Algen. Wir suchen uns einen Platz und werden an der Osborne Bay fündig und essen kurz etwas. Dann machen wir uns auf den Weg zum Dam, die wirklich reizende Dame aus dem Visitor Center in Omak hat uns empfohlen, unbedingt die Lasershow zu besuchen. Der Grand Coulee Dam ist der viertgrösste Damm der Welt, wirklich imposant dann auch die spektakuläre Lasershow, die auf die tosenden Wassermassen projiziert wird.

Fotos Grand Coulee Dam und Umgebung

Äh, wir müssen da mal kurz was sagen...

... Amerika und Kanada haben ausserhalb der Grossstädte einfach scheussliches Internet. Okay, okay, wir sind nun gerade in der Prärie, nämlich in Arco, Bundesstaat Idaho und hier funktioniert das Internet gerade relativ gut, was uns natürlich sehr freut. So sehr, dass wir eventuell gleich noch eine Nacht mehr buchen, weil die Leute hier wirklich total nett sind. Und noch was wissenswertes zu Arco. In der Nähe von Arco steht der erste Atomreaktor, welcher 1951 Strom erzeugen konnte.
Aber, um wieder auf den Punkt zu kommen, ich schweife ab, ich weiss, ich weiss.. wir freuen uns immer riesig über E-Mails von euch. Auch Whatsapp-Nachrichten lesen wir sehr gerne. Seid uns aber bitte nicht böse, wenn wir nicht sofort antworten können. Meist lesen wir die Nachrichten auf irgendeinem Wallmart-Parkplatz und dort sind wir meist recht im Schuss. Aber... wir freuen uns immer riesig auf News von euch, am liebsten per E-Mail. Whatsapp geht immer, wenn wir Wifi haben. SMS sind teuer und versenden wir nur, wenn wir unseren Eltern mitteilen wollen, wo wir gerade stecken.

Loomis? Warst du schon mal in Loomis?

Wo bitte schön ist Loomis? Wir wissen es, wir waren tatsächlich da. Und was bitte schön ist in Loomis? Nichts, ausser tausende von Obstbäumen und die Recreation Area „many lakes“, auf der wir schliesslich übernachten. Der erste
Free-Campground, direkt am See. Aus dem Auto eines Nachbarn ertönt wie in einem Konzertsaal klassische Musik, der Nachbar selbst sitzt am Seeufer und trällert irgendwie mit. Von einem anderen Platz ertönt laut Janis Joplin und unser direkter Nachbarn hat um den Wohnwagen herum ein Gitter montiert, fürs Hausschwein, versteht sich. Wir sind in Amerika, es ist alles okay. No worries!

Wiedersehen mit den kanadischen Wildgänsen

Spectacle Lake


Das Okanagan Valley verändert sich nach der Grenze nicht wirklich, ausser, dass wir nun vom Okanogan Valley sprechen. Überall an den Strassenrändern sehen wir Obstplantagen. Das Klima ist relativ trocken, es hat wohl länger nicht geregnet, deshalb werden die Plantagen und auch die Felder künstlich bewässert. Ein herrlicher Duft. Das Klicken der Anlagen erinnert speziell mich an Kindheitstage, wenn mein Vater zu später Stunde den Rasen bewässert hat. Überall sind Pflücker am Werk. Meine Idee, einige Tage mitzuarbeiten, findet Tom nicht so toll. Es ist heiss. Wirklich richtig heiss.

Die Temperaturschwankungen bereiten uns etwas Mühe. In der Nähe von Loomis finden wir einen herrlichen Platz am Spectacle Lake und sehen gleich einen Weisskopfseeadler und, ich traue kaum meinen Augen, eine riesige Gruppe von kanadischen Wildgänsen. Am Abend hören wir, bereits das zweite Mal (das erste Mal war in der Fintry Bay) viele, viele Grillen. Es ist wirklich toll. Der Sternenhimmel ist ausserdem grandios. Der Duft von trockenem Gras steigt uns in die Nase. Einfach herrlich.

So sähe er aus...

... der männliche Elch, gesehen in Chetwynd, allerdings ist der Bulle dort nur aus Holz :-).

Das Tal der Früchte

Entlang des Okanagan Lake ist der Früchteverkauf in vollem Gange. Da wir jedoch nicht schlüssig sind, ob wir bereits heute die Grenze überqueren, halten wir uns mit dem Kauf von Früchten zurück. Natürlich läuft uns das Wasser im Mund zusammen, beim Anblick von so schönen Früchten, vor allem auf Kirschen habe besonders ich riesigen „Gluscht“. Im Valley ist es über 30 Grad heiss. Das Tal ist bekannt für sein mildes Klima im Winter und seine heissen Sommer. Also, raus aus den Klamotten und sofort rein in den Bikini. Nach einer wunderbaren Abkühlung im Osoyoos Lake (der See ist über 20 Grad warm) und einem kurzen Gespräch mit dem Ranger vom Haynes Point beschliessen wir schliesslich, rüber in die USA zu fahren. Der PP am Haynes Point ist nämlich übervoll, sogar der Overflow-Camp quillt über.

Föteli aus dem Okanagan Valley

Tom ist zwar etwas skeptisch, wenn wir erst so spät an der Grenze ankommen. Aber easy, mehr als Stunden auseinandergenommen zu werden, kann uns eh nicht passieren. Was sind schon Stunden? Bereits kurz nach Osoyoos kommen wir am Zoll an. Nichts Spektakuläres. Keine riesigen Schilder wie leaving Canada oder so ähnlich, dafür ist das Zollgebäude äusserst eindrucksvoll. Wir fahren an die Häuschen und klick, bitte lächeln. Sofort schiessen die Amis ein Föteli von uns :-). Der Zöllner mit der Spiegelsonnenbrille ist ernst und macht Eindruck. Nach einem Blick in die Pässe und einer forschen Aufforderung, unsere Sonnenbrillen abzunehmen, löchert er uns mit Fragen und dreht gemählich eine Runde ums Auto. Dann bittet er uns, in ein spezielles Häuschen (sicher wird Nikan von A-Z durchleuchtet) zu fahren. Eine Lebensmittel-Spezialistin werde uns dann aufsuchen. Shit, hätte ich doch (à la Australien) die Früchte zur Tarnung in meinen BH gesteckt. Bloss, welche Früchte? Wir haben genau noch einen Apfel. Aber um Himmels willen. Ich denke an meinen wunderbaren Blumenkohl, die schöne Gurke, die knackigen Tomaten, die duftenden Pilze und an die herrlichen Pancakes. Ausserdem haben wir noch in Summerland einen riesigen Vorrat von meinen Veggie-Burgern angelegt, damit ich Canada nicht zu sehr vermissen werde.
Verzweifelt lese ich im Reiseführer nach. Noch einmal shit. Es dürfen keine Lebensmittel, gilt auch für Süssigkeiten, in die USA importiert werden. Und noch einmal ein riesen Shit. Da kommt sie bereits auf unser Auto zu geschlendert. Keine Chance, den ganzen Kühler zu entleeren. Sie findet unser Autonummernschild lustig und grinst. Okay, sie ist nett. Sie ist im Alter von unseren Mums. Das wird schon gut gehen, sie hat ja wohl auch Kinder, die in der Gegend rumreisen. Sie geht rein, sieht sich um. Ich erkläre ihr, dass wir Lebensmittel im Kühlschrank und weitere im Schrank oberhalb unserer Küche haben. Sie "gückslet" in den Kühler. Mit einem geübten Blick nimmt sie schliesslich die Tomaten raus, nicht erlaubt. Mein Oje bricht ihr scheinbar fast das Herz. Sie schaut ins Tiefkühlfach, sieht Toms Berge von Fleisch. Ohne diesen Fleischberg zu berühren fragt sie, ob Lamm dabei ist. Tom steht nicht auf Lamm. Schwein gehabt, Rindfleisch ist erlaubt. Sie schliesst den Kühler. Beschnuppert den ganzen Innenraum. Dann findet sie zwei Kartoffeln, nicht erlaubt. Ich versuche, alles zu geben. Mir kommt der doofe Apfel in den Sinn, den ich ihr zeige. Voller Ernst meint sie, dass dieser aus den USA stamme und somit rüber dürfe.
Nach einer Viertelstunde und noch einigem Smalltalk sind wir in den USA.
Adiö, du geliebtes Canada.

Montag, 2. September 2013

Wieder einmal ein Regentag

Bereits am Morgen regnet es, bis heute hatten wir ja mit dem Wetter unglaubliches Glück, natürlich abgesehen von unserer Zeit im kalten und nassen Alaska, versteht sich. So planen wir, möglichst schnell ins Okanagan Valley zu fahren. Die Ortschaften 100 Mile House, 70 Mile House, Cache Greek, Kamloops besichtigen wir nicht. Es gibt nichts Grossartiges, was man hier besichtigen könnten. In der Fintry Bay verbringen wir dann zwei Nächte. Der Platz ist sehr teuer (sorry Niteli und Tom, wir wussten nicht, dass die dermassen mit den Preisen rauf sind). Ausserdem sind die meisten Plätze reserviert, die anderen bereits besetzt. Wir finden noch einen einzigen Platz und geniessen die Zeit. Am Ende unseres Fintry-Bay-Aufenthalts steht unsere Route für die ersten Wochen USA. Juhuiiii.

Auf das Leben – wir feiern das Leben!

Einige Zeit, nachdem wir Prince George verlassen haben, sehen wir eine riesige Rauchsäule. Als wir näher kommen, staut sich der Verkehr und viele Autofahrer drehen auf der Strasse um. Nach einem Blick durch unser Fernglas sehen wir es. Ein ganz, ganz schrecklicher Unfall ist geschehen. Inmitten der Strasse stehen ein Lastwagen und ein ausgebrannter Kleinwagen. Überall sind Feuerwehr, Krankenautos und Polizei zu sehen. Selbst ein Hubschrauber fliegt mit einer Ladung Löschwasser oder Löschpulver von Prince George heran. Als der Lastwagenfahrer vor uns sieht, dass wir in unserem Backroad Atlas nach einer Alternativrouten suchen, kommt er zu uns und informiert, dass wir wirklich das Beste tun, wenn wir über die Olsen Road (allerdings eine rauhe Schotterstrasse) nach Quinsel fahren. Es könne bis Mitternacht gehen, bis die Strasse freigegeben wird, da es Tote gegeben habe. Zuckt die Schultern und findet sich mit dem Schicksal ab, zu warten. Grosse Lastwagen können nicht über die Brücken auf der Nebenstrasse fahren. Tom ist zerstreut und versucht, sich zu konzentrieren. Der Unfall macht uns nachdenklich und traurig. Für einige Menschen hat ein solch kurzer Augenblick deren ganzes Leben verändert. Vielleicht warten die Liebsten zuhause und haben bereits die Sachen fürs long week-end gepackt oder vielleicht wollte sich derjenige einfach nach einer stressigen Woche zuhause entspannen, geniessen und sich fein bekochen lassen. Tragisch. Wir sind ganz still und mögen kaum daran denken, wie schnell man doch zum falschen Moment am falschen Ort sein kann. Oder in unserem Fall, gut, dass wir unterwegs nach Prince Georg eine Mittagspause gemacht haben.
Am Lac La Hache, wir kommen erst an, als es bereits dunkelt, hängt Tom trotzdem den Grill ans Gas. Heute essen und trinken wir auf das Leben und wie kostbar es ist.

Der Sommer ruft

Bis Prince George fahren wir auf dem Hart Highway. In der Zwischenzeit haben wir beschlossen, Richtung Süden zu fahren, damit wir in den USA allfällige Winter Roads noch fahren können, bevor Schnee fällt.
Bereits zum dritten Mal fahren wir das Stück Hwy zwischen Prince George und Quinsel. Einmal zuviel, wie wir finden ;-) siehe Eintrag vom 2. Juli 2013.

I mah nid scho wieder uf Gravel umeholpere, chum mir tüe chli amene schöne Plätzli umechroutere. Chum mir mache üs chli hüt, chum mir mache es Füürli, chum mir mache no chli türürürürür, nid scho wieder uf Gravel, nid scho wieder uf Gravel!

Ich kann gerade keine Gravel Road fahren, Tom muss das machen. Mein Knie kann die ständige Kuppelei nicht ausstehen. So bleibt meinem Liebsten nichts anderes übrig, als die Forest Road, die wirklich in einem Sauzustand ist, zu fahren. Die Road ist so was von ausgewaschen, dass einerseits Waschbrett zu fahren ist, also mit mindestens 60 km/h, dann aber wieder mit riesen Löchern. Hallo, wir sind uns ja schon einiges gewohnt, aber das hier? Leider ist der Forest Park, indem wir einige Nächte bleiben wollen, geschlossen (für immer und ewig, nehmen wir an). Der Monkman PP ist jedoch auch toll.

 Fotos Monkman PP und Umgebung

Ganz alleine sind wir nicht, obwohl uns kein einziges Reisefahrzeug weder gekreuzt noch überholt noch vor uns gefahren ist. Das Gebiet ist toll für Wanderungen. Ein wirklich cooler Ranger gibt uns wunderbare Broschüren, von einer mehrtägigen Wanderung, die man machen könnte. Wir hätten alles dabei, vom Zelt, über bequeme Mätteli, Kocher, Schlafsack, ja einfach alles, was es für ein paar Tage braucht. Tom ist Realist, ich halt eher die Träumerin. Wenn ich schon nicht mal eine längere Wanderung ohne Schmerzen überstehe, wie dann noch mit Gepäck? Ja, manchmal habe ich sogar Mühe, in den Camper ein- und auszusteigen. Es geht einfach nicht. Mein Knie ist angeschlagen und basta.

Zwei verwilderte Typen ziehen durch Canada

Okay, wir wollen mal eine Sache klarstellen, vielleicht auch mehrere ;-): Wir sehen wirklich etwas verwildert aus, das geben wir ja gerne zu. Ausserdem gibt es in unserem Kleiderschrank etliche Klamotten, die wir bis heute noch gar nicht getragen haben. Wir hängen immer in den gleichen Klamotten herum, auch das geben wir gerne zu. Natürlich waschen wir unsere Klamotten. Bei unserer Planung haben wir jedoch eines völlig vergessen, nämlich Wäschetrockner. In unseren 13 Jahren Oltigen hatten wir kein so praktisches Ding zur Verfügung gehabt. So können wir jeweils die Kleider gleich wieder anziehen. Wenn es kalt ist, finden wir es herrlich, uns gleich wieder in die warmen und duftenden Klamotten zu stürzen. Dann zu unseren Frisuren: Es gäbe Coiffeure in Kanada/USA, „schiins“. Aber, was wollen wir zu einem Coiffeur? Der Wind bläst manchmal so stark durch all die Täler, dass es sinnlos wäre, sich zu frisieren. Tom ist ausserdem felsenfest der Überzeugung, dass ein unrasiertes Gesicht gut gegen Mückenattacken (haben nachgelassen) und Kälte (dieses Argument lasse ich eher gelten) sei. Deo und Körpercrème benützen wir lediglich in der Nähe von Städten, sicher nicht vor einer Wanderung (Bären) oder vor einem Lagerfeuer (Deo überdeckt kein Rauch). Aber, wir sind stets sauber und anständig angezogen :-). Unsere Dusche funktioniert wirklich einwandfrei. Die Duschkabine ist übersichtlich und handlich. Sozusagen, es ist alles einfacher hier. Es grüssen: Wild, aber glücklich eure Nussis

Summit Lake und Reisekoller

Bis zum Summit Lake ist die Strecke attraktiv und abwechslungsreich. Was dann kommt, haben wir beide einfach schlicht und einfach aus unseren Hirnwindungen verdrängt. Bis Fort Nelson ist die Strecke noch einigermassen okay, wir haben im 2006 von Fort Nelson die Northwest Territories besucht und sind dann die Strecke über Hay River durch Alberta gefahren. Somit fahren wir die Strecke Fort Nelson – Fort St. John’s zum ersten Mal und ganz bestimmt werden wir sie auch kein zweites Mal fahren. Es ist trist und langweilig. Nicht einmal Möglichkeiten, irgendwo in die Gebüsche abzubiegen, denn: entlang der ganzen Strecke sind Gasvorkommen. Radikal wurden ganze Schneisen in die Wälder geschnitten. Gääääääähn.

Fotos Alaska Hwy

Unser Plan, nächstens ins Okanagan Valley zu fahren, wird immer konkreter. Unabhängig voneinander finden zwei Einheimische unseren Plan richtig gut. Langsam schnuppern wir auch in den Reiseführern vom Westen der Staaten. Trotz unseres kleinen Reisekoller wollen wir in den Monkman PP zu fahren.
Kurz vor Fort St. John biegen wir ab und fahren durch das Peace Valley. Sofort wird die Strecke interessanter. Entlang des Peace Rivers stossen wir auf die nördlichsten Getreidefelder Kanadas. Im gesamten Valley ist es bereits richtig herbstlich. Die Blätter der Birken sind bereits gelb verfärbt.
In Hudson‘ Hope bemerken wir zufälligerweise, dass wir skypen können. So telefonieren wir mit Babs, die gerade Geburtstag hatte und auch mit unseren Eltern. Nach dieser Session ist unsere Stimmung auf dem Nullpunkt. Wir vermissen unsere Familien und Freunde. Wir fahren somit nur kurz an den Moberly Lake und geniessen einen gemütlichen Nami und Abend (natürlich ist mal wieder Brot backen angesagt, Tom meint, das Brot ginge zuhause wohl nicht so schnell weg), obwohl uns der Ranger speziell auf den Bären aufmerksam macht, der in der Nähe sein Unwesen treibt. Wir sprechen erneut kurz über unsere Route, wollen im Okanagen Valley (Niteli, sicher in der Fintry Bay, Mücken sind ja wohl nun weg) unsere Route für die USA planen.